SWIMMING IN THE DARK (Tomasz Jedrowski)

Als sich Ludwik und Janus in einem Studenten-Arbeitslager in Polen in der 70ern begegnen, scheint die Sonne heiß, der Acker ist weit und die Furcht „anders“ zu sein noch groß. In der Tat: Coming-out Romane gibt es natürlich schon viele – doch im Ostblock-Sozialismus spielen sie selten, und das macht dieses Buch für sich schon bemerkenswert. (Ehrlich gesagt brauchen wir mehr davon. Und noch viel mehr brauchen wir Erzählungen über LGBT Erfahrungen in der osteuropäischen Provinz heute, ganz aktuell: in einer Zeit in der sich mitten in der EU eine polnische Regierung damit rühmt, LGBT-freie Zonen im Land geschaffen zu haben.) – Der Lektor hätte zu Beginn stilistisch ein bisschen mehr unterstützen können bei diesem Debut, da holpert es leicht und der eine oder andere Dialog gerät holzschnittartig polit-plakativ. Doch dann, mit der Rückkehr der beiden in die Stadt, bekommt das Buch eine neue Wendung, eine neue Dringlichkeit, es wird packend, ergreifend, und fordert – wie das Leben – eine große Entscheidung: Arrangiere ich mich mit einer Diktatur oder entscheide ich mich für meine Würde? Je nachdem, welchen Weg man damals ging in Polen, die Antwort darauf beschäftigt heute noch viele und bleibt von großer Relevanz. Ein aufwühlender page-turner, vielleicht der schwule Roman 2020.

Erschienen am 6. Februar 2020 auf englisch bei Bloomsbury, hier geht’s zur Verlags-Seite. 256 schnell gelesene Seiten, ISBN 9781526604965.

Und auch für dieses Buch gilt: Am besten, Ihr bestellt bei der Buchhandlung um die Ecke. Kurz anrufen, fertig. Das Buch liegt auf jeden Fall am nächsten Tag für Euch bereit! Genial: Ihr müsst nicht auf Zusteller warten wie bei amazon und vor allem: Ihr unterstützt Euren Kiez.