FIELDING GRAY (Simon Raven)

Eine Wiederentdeckung und ein Page-turner: Unterhaltsam, böse, englisch.

Auf den ersten Blick gehört Fielding Gray wie Wiedersehen mit Brideshead oder auch Maurice in die lange Reihe englischer College- und Internatsromane. Mit einem entscheidenden Unterschied. Simon Raven nimmt die obere englische Mittelschicht nach dem zweiten Weltkrieg ohne viel Federlesen so unterhaltsam wie klar auseinander. Die verstockte Liebe zwischen Fielding und Christopher nimmt einen traurigen Verlauf im konservativen Nachkriegsengland, wo es Helden braucht und keine Schöngeister und schon gar keine queer community (die ja nicht dadurch aufhört zu existieren, nur weil ein paar Apostel sie nicht mögen). Dies nur ein Ausschnitt aus diesem Buch, in dem zerstörte Familien, korrupte Kolonialhändler, eine traurige Armee (nein, Weltmacht!), zynische Jungpolitiker und schnöselige angehende Akademiker ein tristes Panoptikum der lahmen britischen upper crust bieten, das sich beim Cricket und beim Pferderennen im eigenen Glanz sonnen kann (wenn man sich bei letztem nicht verwettet). 1967 veröffentlicht, muss dieses Buch ein kleiner Skandal gewesen sein. Gar nicht blumig und höflich, sondern pointiert formuliert, gradeaus konstruiert und vor allem schnörkellos beschreibend – das hat die Kritik damals offensichtlich verschreckt. Auch weil Raven viele Erlebnisse aus seinem eigenen Leben verarbeitet hat, samt prominenter Bekanntschaft. Was nicht immer schmeichelhaft war für den einen oder anderen politischen oder publizistischen Moralisten. Hier lohnt das Nachwort der Übersetzerin Sabine Frank.  Raven sagte von sich selbst: Es gehe ihm ums Geldverdienen und um Unterhaltung und er schreibe „für einen kleinen Kreis von Leuten, die sind wie ich: gebildet, weltgewandt, skeptisch und snobistisch (womit ich meine, dass sie guten Geschmack schlechtem vorziehen).“ Gerne gelesen – perfekt für zwei Tage an Bord eines Luxusliners, wenn einem die feine Gesellschaft auf die Nerven geht.

Hier geht’s zur Seite des Elfenbein Verlags, dort ist das Buch in deutscher Übersetzung erstmals erschienen und zwar im Frühjahr 2020. Übersetzt von Sabine Franke. 264 Seiten, ISBN 978-3-96160-013-7.