DAS RAUHE LEBEN (Alfons Petzold)

Die ganz andere Seite vom k.u.k. seligen Mehlspeis-Wien. Das Leben des kleinen Alfons beginnt zwar in einigem Glanz – doch dann stürzt sein Vater beruflich und gesundheitlich ins Unglück. Und das bedeutet für Alfons: Eine Jugend in Schmutz, Krankheit, Tod. So beschreibt Petzold das Wien vor 1900 – so wie er es erlebt hat: Nämlich bösartig, hartherzig und von unten. Gut dass es diese Schilderung gibt! Die einen verstehen lässt, worum es der Sozialdemokratie mal ging.

Der Arbeiterdichter Adolf Petzold wurde im heutigen 15. Bezirk geboren. Die erste Kindheit bis über das zweite Lebensjahr verbrachte Alfons Petzold in Penzing. Dann zog die Familie, die auf der Suche nach geschäftlichem Erfolg und erträglicher Lebensführung schon viel herumgekommen war, nach Szegedin in Ungarn. Der zunehmende Deutschenhass und das Herannahen des schulpflichtigen Alters von Alfons veranlassten die Familie 1887 zur Rückkehr nach Wien. In der Jugend somit recht behütet, musste er im eigenständigen Leben alles versuchen, um wenigstes der ärgsten Not zu entfliehen. Er war Taglöhner, Laufbursche, Bäckerlehrling, Schuhmacherlehrling, Aushilfskellner, Austräger, Schneeschaufler, Hilfsarbeiter, Metalldreher, Gipsschleifer, Fensterputzer und dazwischen immer wieder ohne Arbeit. Doch er überwand alles Elend und die gnadenlose Härte der Menschen dem Schwachen gegenüber. Den Aufstieg aus dieser trostlosen Enge verdankte er vor allem seinem unsersättlichen Drang nach Wissen und Bildung. Der Autor, Anhänger der sozialdemokratischen Idee ist seit 1945 in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht – dieses Buch gehört eigentlich in die Schulen heute. Und in unsere Erinnerung.  

Erschienen in Berlin, 1920. Heute nur in einer lieblosen Edition erhältlich – oder eben antiquarisch auf ZVAB.