UNHALTBARE ZUSTÄNDE (Alain Claude Sulzer)

Um es vorweg zu sagen: Wir lesen den Sulzer einfach gerne, und wenngleich dies vielleicht nicht sein allerbestes Buch ist (war der Lektor im Stress?) – es ist wieder ein page turner geworden. 1968, ein neuer Zeitgeist entreißt dem Schaufenster-Dekorateur Stettler den Boden unter den Füßen.  Er ist kinderlos und um die 60 und versteht die neue Welt nicht mehr, schlimmer noch: Man hat ihm einen jungen Kerl vor die Nase gesetzt, der die Kunst der Dekoration spektakulär revolutioniert. Schöne Momente bereiteten Stettler zumindest solche Minuten im Radio, in denen die berühmte Pianistin Lotte Zerbst zu hören war. Es beginnt eine Brieffreundschaft… Wie der Umbruch in einer Gesellschaft den Alltag von Menschen in Un-Ordnung bringt: Mit wenigen, präzisen Skizzenstrichen erschafft Sulzer dichte Atmosphären und Charaktere. Stettlers Sturz geht einem am Ende noch tagelang durch den Kopf. (Setzt sich heute nicht jedermann nackt ins Schaufenster der Selbstverbreitungs-Medien?) Ein Buch für einen Wintertag mit Cognac. Hoffentlich sind wir nie zu alt, neue Wege einzuschlagen.

Andere Stimmen:

“Das Buch erzählt davon, wie eine Welt auseinanderbricht. Das fährt den Menschen umso mehr in die Knochen, als es eine Welt betrifft, die seit Menschengedenken war, wie sie gerade noch ist – und gleich nicht mehr sein wird. (…) Diesen Kippeffekt lässt Sulzer seine Leser an sich selber spüren: Sie erkennen sich selbst in der Sprache und in der Denkungsart des Romans – und werden brachial aus dieser schönen Behaglichkeit hinausgeworfen.” NZZ, 15. Dezember 2019

Hier geht’s zur Seite des Verlags. Erschienen am 22.08.2019 bei Galiani Berlin, 272 Seiten, ISBN 978-3-86971-194-2.