TALKING TO STRANGERS (Malcom Gladwell)

Mit Fremden reden. Tolles Thema. Für Kommunikatoren, Geschäftsleute, Journalisten, Ermittler, für alle, deren Job es ist, mit Fremden schnell eine Vertrauenseben zu finden. Grundfrage: Wieso es so schwierig ist, Fremden zu vertrauen. Wissenschaftsjournalist Malcom Gladwell (New Yorker) nimmt sich drei Fälle vor, die wir aus den Nachrichten kennen: Der Prozess gegen den Engel mit den Eisaugen, Amanda Knox. Ein Spion in der höchsten Ebene im Pentagon. Eine Verkehrskontrolle, die mit dem Tod eine schwarzen Amerikanerin endet. Und immer wieder die Frage. Wie gelingt es uns besser, Menschen richtig einzuschätzen. Darauf – soviel sei vorweg gesagt, weiß auch Malcom Gladwell keine befriedigende Antwort. Leider blöd für jemanden, der sich hier Hilfe erhofft. 380 Seiten sind am Ende ziemlich lang für die Erkenntnis, dass der Mensch eben dazu neigt, seinem Gegenüber grundsätzlich zu vertrauen – auch wenn das keine gute Idee ist. Dass manche Leute gut lügen können und selbst Profis darauf reinfallen. Dass es eine gute Idee ist, sich in Fremde hineinzuversetzen, die Umstände zu verstehen, aus denen heraus sie agieren. Gladwell hat einen faszinierenden Augenöffner nach dem nächsten parat, deshalb lesen wir ihn so gerne. Aber diesmal geht es über ein gutes Kompendium professionell verpackten Partywissens nicht hinaus. Macht nix, trotdem interessant.

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Erschienen 2019 bei Penguin (Allen Lane), 388 Seiten, ISBN 9780241351574.