KLEIST (Adam Soboczynski)

Das hier ist ein Glücksfall für alle, die sich heimlich und gähnend Germanistik-Vorlesungen entzogen haben. Dieser Kleist als Splatter-Romantiker? Vom im Untergang gefundenen Glück handelt dieser Essay über den Schriftsteller Heinrich von Kleist, den Marcel-Reich-Ranicki einen Sonderfall nannte, ein „Genie und Narr“ gleichermaßen.(

Der ZEIT-Journalist Adam Soboczynski charakterisiert Kleist als einen Krieger in der Kunst und einen Verlierer in der Liebe. Diesen Luxus konnte sich um 1800 natürlich nicht jeder leisten: Ein Dichter, der halb Europa durchreiste, sich dabei immer wieder von seiner Schwester aushalten ließ und sich ausgiebig im eigenen Versagen erging. Selbstmordandrohungen waren an der Tagesordnung. Es ist ein wenig sympatisches Bild, das Soboczynski in seinem wunderbar leicht und ironisch, glatt unterhaltsamen Text vom allround-Versucher Kleist zeichnet.

Soboczynski beschreibt einen Dichter unter enormem selbst aufgebürdeten Erfolgsdruck – ausgestattet mit einem veritablen Minderwertigkeitskomplex und teils absurden Geltungsbedürfnis, das immer wieder in teils blutigen Todesfantasien gipfelt: „Dem Untergang ringt Kleist auf obszöne Weise Heiteres ab. Der standesbewusste Aristokrat Kleist feiert soziale Gleichheit, wenn es für niemanden nichts mehr zu verlieren gibt.“ 

Ein Essay für einen kalten Winterabend auf dem Sofa; und beste Motivation für einen Ausflug zum Kleist-Museum nach Frankfurt an der Oder.

Andere Stimmen sagen:

“Aus Anlass seines Todestages haben Viele über ihn geschrieben. Das knappste Buch ist das aufregendste: Adam Soboczynskis “Kleist. Vom Glück des Untergangs”.” (ZDF aspekte)

Erschienen bei Luchterhand am 5.10.2011, ISBN: 978-3-641-06244-6