THE IMPERFECTIONISTS (Tom Rachman)

Alle reden über das Zeitungssterben. Wenn eine Zeitung eingeht, stirbt nicht nur ein Titel, sondern ein ganzer Kosmos. Eine Zeitung ist nicht einfach ein toter link im Netz. Es ist, als legt jemand Geliebtes den Telefonhörer auf – und es bleibt nur Stille.

Tom Rachman beschreibt das Innenleben eines Blattes, das (1950 in Rom gegründet) seine besten Tage, seine besten Momente und leider auch seine Bestimmung längst hinter sich hat.

Eine wunderbar zu lesende Reflexion dessen, was sich am Kiosk längst abspielt. “The Times, They Are A Chanin’” – und die Schwierigkeit ist für die Blätter heute, mit der Aktualität zu leben, daraus immer wieder eine eigene Bestimmung zu ziehen, den eigenen Charakter dabei nicht zu verleugnen und vor allem (und das ist die Aufgabe des Verlegers) achtsam das Geschäftsmodell nicht aus den Augen zu verlieren. Genau das ist in den vergangenen Jahren geschehen.

Zurück bleibt eine Leserin, die noch Lesestoff vor sich hat. Weil sie diejenige ist, die das Blatt wirklich vom ersten bis zum letzten Blatt liest. Das dauert. Gemeinhin länger als einen Tag. Das Weltgeschehen ist längst weiter. Doch sie lebt in einem Paralleluniversum – das eine solche Zeitung zuweilen zu werden droht. Nicht nur für Journalisten ein lohnenswerter Schmöker.